In keiner Phase eines Unternehmens ist die Dichte vertraulicher Informationen höher als während einer Transaktion. Bewertungen, Verhandlungspositionen, Synergiekalkulationen, Personalpläne, strategische Begründungen für den Deal: All das entsteht in einem engen Zeitfenster, unter wenigen Beteiligten, mit enormem Wert für jeden, der es vorzeitig kennt.

Die gesamte Sicherheitsarchitektur eines M&A-Prozesses konzentriert sich auf einen Punkt: den virtuellen Datenraum. Verschlüsselung, granulare Zugriffsrechte, lückenlose Aktivitätsprotokolle, DSGVO-Konformität. Der Datenraum ist oft das am besten gesicherte Element der gesamten Transaktion.

Verhandelt wird trotzdem woanders. In Konferenzräumen von Kanzleien, in Beratungsbüros, in Hotelsuiten, in den Räumen einer der beteiligten Parteien. Dort, wo der Datenraum keine Rolle mehr spielt, weil gesprochen statt geklickt wird.

Warum gerade M&A ein Hochrisikoumfeld ist

Drei Faktoren treffen in einer Transaktion zusammen, die das Abhörrisiko über das normale Maß heben.

Erstens der Wert der Information. Wer die Schmerzgrenze der Gegenseite kennt, verhandelt aus einer uneinholbaren Position. Wer den geplanten Kaufpreis vor dem Signing erfährt, kann ihn beeinflussen, unterbieten oder an Dritte weitergeben. Der Informationsvorsprung in einer M&A-Verhandlung ist direkt in Geld messbar, oft in erheblichen Summen.

Zweitens die Vielzahl der Beteiligten. M&A bringt Menschen zusammen, die sich vorher nicht kannten und danach möglicherweise als Gegner gegenüberstehen: zwei Unternehmensseiten, deren Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Investmentbanker, technische Berater. Jeder mit eigenem Mandat, eigenen Interessen, eigenem Zugang zu Räumen, die für die Verhandlung genutzt werden.

Drittens der Konflikt, der in jeder Transaktion strukturell angelegt ist. Käufer und Verkäufer verfolgen entgegengesetzte Ziele. Bei feindlichen Übernahmen ist die Gegnerschaft offen, bei einvernehmlichen liegt sie unter der Oberfläche. Dass Konfliktparteien in der Wirtschaft zu Überwachungsmitteln greifen, ist dokumentiert: Die Berichterstattung über die Beschattungsaffäre zwischen Volkswagen und dem Zulieferer Prevent wurde von der WirtschaftsWoche als Spitze des Eisbergs beschrieben, mit dem Befund, dass deutsche Unternehmen regelmäßig Geschäftspartner und Konkurrenten ausspähen, nicht immer mit legalen Mitteln.

Die Zeitfenster, in denen geprüft werden sollte

Ein M&A-Prozess ist im Gegensatz zu vielen anderen Sicherheitslagen klar strukturiert. Die kritischen Momente sind planbar, und genau das macht TSCM hier projektierbar.

Vor dem Management Presentation

Wenn das Management des Zielunternehmens den Kaufinteressenten erstmals umfassend präsentiert, werden Inhalte besprochen, die über den Datenraum hinausgehen: strategische Einschätzungen, mündliche Erläuterungen, Antworten auf kritische Fragen. Der Raum, in dem das stattfindet, sollte vorher geprüft sein.

Vor entscheidenden Verhandlungsrunden

Preisverhandlungen, Vertragsverhandlungen, die finale Einigung: An diesen Punkten wird der Wert der Transaktion verteilt. Wer hier mithört, kennt die Position der Gegenseite vollständig.

Vor dem Signing

Die letzten Gespräche vor der Unterzeichnung enthalten oft die sensibelsten Zugeständnisse und Bedingungen. Ein abgehörter Raum in dieser Phase kompromittiert das Ergebnis der gesamten Transaktion.

In genutzten Fremdräumen

Findet die Verhandlung in den Räumen einer Kanzlei, eines Beraters oder der Gegenseite statt, gilt: Wer den Raum stellt, hatte Zugang zur Vorbereitung. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Tatsache, die eine Prüfung rechtfertigt.

Wie Kontrapol in einer Transaktion arbeitet

Vertraulichkeit als Grundbedingung

Eine TSCM-Prüfung im M&A-Kontext findet unter strikter Vertraulichkeit statt. Kontrapol arbeitet direkt mit dem engsten Kreis der Beauftragten, in der Regel der Geschäftsführung oder dem mandatierten Transaktionsanwalt. Die Maßnahme lässt sich diskret in den ohnehin dichten Ablauf einer Due Diligence integrieren, ohne dass die übrigen Deal-Beteiligten davon erfahren.

Prüfung der Verhandlungsräume

Vollständige TSCM-Prüfung der Räume vor ihrer Nutzung: Frequenzanalyse für aktiv sendende Geräte, Halbleiterdetektion für passiv aufzeichnende Technik ohne Sendesignal, Kamerafinder und Wärmebildtechnik für optische Überwachung und versteckte Elektronik. Jede Auffälligkeit wird durch ein zweites Messverfahren verifiziert, bevor sie als Befund gilt.

Begleitung über mehrere Termine

Da Transaktionen sich über Wochen ziehen und an wechselnden Orten verhandelt wird, lässt sich die Prüfung als wiederkehrende Maßnahme über die kritischen Phasen hinweg planen, nicht als einmaliger Sweep.

Dokumentation

Jede Prüfung wird dokumentiert. Bei negativem Befund als Nachweis, dass der Raum zum Zeitpunkt der Verhandlung sauber war. Bei einem Fund forensisch, mit allen Merkmalen, die für rechtliche Schritte erforderlich sind.

Warum die Beweissicherung zählt

Wird in einer Transaktion tatsächlich ein Abhörgerät gefunden, ist die forensische Dokumentation entscheidend, denn die Strafverfolgung in diesem Bereich ist schwierig. Das BKA-Forschungsprojekt WISKOS zur Wirtschaftsspionage in Deutschland kam zu einem ernüchternden Befund: In über drei Vierteln der Gerichtsentscheidungen kam es zu einer Verfahrenseinstellung oder zum Verweis auf den Privatklageweg, nur in rund einem Zehntel der Fälle zu einer Anklage. Etwa jedes zweite Unternehmen ist betroffen oder hat einen Verdacht, die Dunkelziffer ist hoch.

Der Grund liegt häufig in unzureichender Beweissicherung. Ein Gerät, das unsachgemäß entfernt wird, ist als Beweismittel oft wertlos. Eine forensisch korrekte Dokumentation, einschließlich daktyloskopischer Sicherung, ist die Grundlage dafür, dass aus einem Fund überhaupt rechtliche Konsequenzen entstehen können, ob strafrechtlich, zivilrechtlich oder durch Rückabwicklung der Transaktion.

Die hier skizzierte Vorgehensweise folgt denselben methodischen Prinzipien wie jede professionelle Lauschabwehr-Maßnahme, vom Kreuzphasenprinzip bis zur forensischen Dokumentation. Den vollständigen Überblick dazu finden Sie im Hauptartikel Lauschabwehr.

Häufige Fragen zu TSCM im M&A-Prozess und in der Due Diligence

In welcher Phase des M&A-Prozesses ist das Risiko am höchsten?

Bei den entscheidenden Verhandlungsrunden und unmittelbar vor dem Signing. Dort werden Preise, Bedingungen und Zugeständnisse final verhandelt, also genau die Informationen, deren vorzeitige Kenntnis den größten wirtschaftlichen Hebel bietet. Die Management Presentation ist ein weiterer kritischer Punkt, weil dort mündlich erläutert wird, was im Datenraum nicht steht.

Lässt sich eine TSCM-Prüfung in den laufenden Transaktionsprozess integrieren, ohne ihn zu verzögern?

Ja. Die Prüfung eines Verhandlungsraums dauert in der Regel zwei bis vier Stunden und wird vor dem jeweiligen Termin durchgeführt, etwa am Vorabend oder früh morgens. Bei mehreren Terminen wird die Maßnahme entsprechend getaktet. Der Transaktionsablauf wird dadurch nicht verzögert.

Wie wird verhindert, dass die anderen Deal-Beteiligten von der Prüfung erfahren?

Kontrapol arbeitet ausschließlich mit dem beauftragenden Kreis und tritt nach außen unauffällig auf. Auf Wunsch erfolgt der Einsatz außerhalb der regulären Zeiten oder in einer abgestimmten Legende, etwa als Haustechnik oder IT-Dienstleister. Die übrigen Beteiligten haben keinen Anlass, die Maßnahme zu bemerken.

Über den Autor: Hendrik Pabst ist Gründer von Kontrapol und seit 2002 in der Lauschabwehr tätig. Die in diesem Ratgeber beschriebenen Muster, Funde und Vorgehensweisen stammen aus seiner eigenen Einsatzpraxis und werden durch ausgewählte öffentlich dokumentierte Fälle ergänzt, die das Risiko zusätzlich verdeutlichen.

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung; die rechtliche Bewertung des Einzelfalls gehört in die Hände eines Anwalts.

Ansprechpartner für Lauschabwehr

In einer Transaktion zählt jede Information. Schützen Sie die, die nicht im Datenraum steht.

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